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Sektion Grenzräume des Holocausts: Gedächtnis in der portugiesischsprachigen Welt, im Lusitanistentag 2019

11 September, 2019 @ 8:00 - 14 September, 2019 @ 17:00

Espaços limiares do Holocausto: a memória no mundo lusófono / Grenzräume des Holocausts: Gedächtnis in der portugiesischsprachigen Welt

11 – 14 September 2019

Lusitanistentag 2019

Universität Augsburg

Org.: Orlando Grossegesse (UMinho), Paulo Soethe (UFPR, Curitiba), Luís Pimenta Lopes (UMinho)

CFP: Vorschläge► ogro@ilch.uminho.pt bis zum 30.April. 2019

In den letzten zwei Jahrzehnten ist sowohl in Brasilien als auch in Portugal das Gedächtnis des Holocaust stärker in das Zentrum des kulturellen Lebens gerückt. Kann man dies einerseits als Folge der Globalisierung des Holocaust-Diskurses sehen, so darf man andererseits auch nicht spezifische Wirkungen auf traditionelle Konzepte nationaler Identität, Geschichte oder Kanon unterschätzen. Diese Dynamik geht in Brasilien eher von der Literatur aus – als Beispiele seien Giselda Leirners Nas águas do mesmo rio (2005) oder Noemi Jaffes O que os cegos estão sonhando? (2012) genannt. Zweifellos den größten Publikumserfolg erfuhr Michel Laubs Diário da queda (2011). In Portugal hingegen haben neuere historische Forschungen vor allem über Portugiesen als Fremdarbeiter im NS-Reich, die im Konzentrationslagern landeten, Aufsehen erregt. Dies hat insgesamt dazu geführt, über die traditionelle Fernhaltung von allem, was die Verstrickungen der beider Länder auf politischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und kultureller Ebene mit dem NS-Regime betrifft, nachzudenken. Ebenso wird die Idealisierung von Portugal und Brasilien als ‚Hafen der Hoffnung‘ für Tausende, die vor dem Holocaust flohen, hinterfragt. Hier wird die Kategorie des bystander (Raul Hilberg) in all seinen Varianten relevant für die Recherche von Mitwissen, Passivität oder gar Mittäterschaft, auf derem Hintergrund sich einzelne Aktionen der Hilfe (Aristides de Sousa Mendes, João Guimarães Rosa) und der Weckung von Bewußtsein – gerade auch über Kunst, Literatur und Kino – abheben. Es ist zu fragen, welche Rolle das Gedächtnis des Holocaust in der portugiesischen und brasilianischen Gesellschaft spielte und spielt, wobei es auch gilt Verbindungen und Vergleiche aufzuspüren. Zu einem Zeitpunkt, an dem kaum mehr Zeugenbefragungen möglich sind, erlangen alle Prozesse auf der Schwelle zwischen memory und postmemory besonderes Interesse, so wie dies exemplarisch in der Wiederaufnahme des Titels Sob céus estranhos (Ilse Losas Roman von 1962) durch Daniel Blaufuks (2007) deutlich wird. Es geht um ein vielsprachiges und medial vermitteltes Gedächtnis in Grenz- oder Schwellenräumen des Holocaust. Aus eben dieser Position der Peripherie werden andere Themen aufgeworfen, andere Bilder entworfen oder Narrationen geschaffen, die allerdings für das Verständnis von Geschichte für eine humanere Gegenwart und Zukunft nicht weniger wichtig sind. Die Veranstalter dieser Sektion erwarten Beiträge, die sich mit Fragestellungen aus der Perspektive der Geschichts-, Medien-, Kultur- , Literatur- und Übersetzungswissenschaft befassen.

 

 

Details

  • Beginn: 11 September, 2019 @ 8:00
  • Ende: 14 September, 2019 @ 17:00

Veranstaltungsort

  • Universität Augsburg